coro per resistencia

Monthly Archives: April 2016

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Mit Wort und Klang den Frühling begrüßt

„Springtime“: Der „coro per resistencia“ huldigte am Sonntagabend in der Rudolf-Steiner-Schule musikalisch dem allmählich erwachenden Frühjahr

NÜRTa88037179i0013_max1024xINGEN. Bei keineswegs frühlingshaften Außentemperaturen hatte der Nürtinger Chor „coro per resistencia“ am Sonntagabend zu einem kurzweiligen Chorkonzert mit Musik und Texten zum Frühling in den Konzertsaal der Rudolf-Steiner-Schule eingeladen. Im Wechsel von A-cappella-Werken aus fünf Jahrhunderten und ebenso vielfältiger Lyrik wurde die aktuelle Jahreszeit aus vielen verschiedenen Perspektiven betrachtet.

Bekanntere und unbekannte Komponisten haben sich zu allen Zeiten und in vielen Ländern und Sprachen musikalisch mit dem Erwachen der Natur, mit dem Licht, dem Duft und den Farben des Frühjahrs beschäftigt und diese Wahrnehmungen in ihre jeweilige Musiksprache umgesetzt. So bereits Palestrina im 16. Jahrhundert, der Zeit der altklassischen Vokalpolyphonie, mit dem Madrigal „I vaghi fiori“ („die anmutigen Blumen“). Noch früher, schon im 15. Jahrhundert, besang Clement Jannequin das Erwachen der Liebesgefühle im Monat Mai in durchaus erotischer Sprache in seinem Chanson „Ce mois de may“. Auch vertonte er lautmalerisch den Gesang der Nachtigall im „Chant des oiseaux“.

In der Romantik wurde der Flora und Fauna überschwänglich gehuldigt

In der Zeit der musikalischen Romantik wurde natürlich der Flora und Fauna überschwänglich gehuldigt, so von Robert Franz, der Mörikes Gedicht „Er ist’s“ in gefühlvoller Tonsprache interpretiert. Auch Felix Mendelssohn vertonte seine Frühlingsgefühle mit den Worten von Ludwig Uhlands „Frühlingsahnung“.

Wer aber glaubt, in modernen Zeiten sei die vokale Musik nicht mehr in der Lage, menschliche Gefühle und Regungen gebührend aufzuzeigen, der konnte sich in den skandinavischen Liedern Sven-Erik Bäcks, Wilhelm Peterson-Bergers oder Karin Höghielms vom Gegenteil überzeugen. Letztere appelliert in „Earth Call“ mit eindringlichen und aufregenden Taktwechseln und gesungenen Windgeräuschen an das Bewusstsein für den Erhalt der Natur und den Frieden zwischen den Menschen und den Kreaturen auf diesem Planeten.

Schon immer war es dem „coro“ ein großes Anliegen, politische und gesellschaftskritische Aussagen mit seiner Musik zu verbreiten. Dies war auch in der Zusammenstellung dieses Programms deutlich erkennbar. So im Strophenlied „’s ist wieder März geworden“ des zeitgenössischen Komponisten Jürgen Knuth, welcher in einem Gedicht Seckendorffs das Scheitern der Revolution von 1848 thematisiert und die damalige Hoffnung auf eine demokratische Neuordnung Deutschlands.

Einer der vielen musikalischen Höhepunkte des Abends war sicherlich das Stück „Plainscapes“ des zeitgenössischen lettischen Komponisten Peteris Vasks, in dem der „coro“ mit Vokalsilben einen Klangteppich wob, auf dem sich die beiden jungen Streicherinnen Kathrin und Sophie Scheungraber mit Geige und Cello in teilweise atemberaubenden Wechsel zwischen Tonalität und atonalen Improvisationen und mit sphärischen Flageoletttönen gleichsam in die Lüfte des Frühjahrs schwangen. Dies mit höchster technischer und musikalischer Präzision. Aus dem Chor war dazu gepfiffenes Vogelgezwitscher zu vernehmen.

Die beiden jungen Musikerinnen zeigten ihr herausragendes Können später im Klaviertrio „Primavera portena“ des argentinischen Tangospezialisten Astor Piazzolla. Chorleiter Fabian Wöhrle wechselte hierzu an den Flügel und bewies hier seine pianistische Virtuosität. Als wunderbar passende Ergänzung zum musikalischen Programm des „coro“ rezitierten die beiden jungen Sprechkünstler Nora Krauter und Philipp Falser abwechselnd Gedichte von Uhland, Brecht, Hesse, Rose Ausländer, Mascha Kaléko, Friedrich Rückert und vom lyrischen Lautmaler Ernst Jandl. Auch in den durchweg auswendig und sehr lebendig vorgetragenen Textbeiträgen wurden neben der Frühlingsidylle immer wieder kritische Akzente gesetzt, so in Brechts „Mailied der Kinder“, in dem er die Tradition der Maikundgebungen der Arbeiterbewegung verarbeitet.

Der „coro per resistencia“ zeigte sich einmal mehr musikalisch sehr vielseitig und flexibel, stimmlich angenehm ausgewogen und immer intonationssicher und präsent dank des präzisen Dirigats seines Chorleiters Fabian Wöhrle. Die Zuhörer dankten dies mit anhaltendem Applaus, der mit einem jiddischen Liebeslied, unterstützt durch Tangorhythmen des Streicherduos Scheungraber, als Zugabe belohnt wurde.

 

Konzertbesprechung aus der Nürtinger Zeitung v. 27.4.2016

Springtime

 

Unter dem Titel „Springtime“ singt der Nürtinger coro per resistencia am Sonntag, 24. April, um 19 Uhr in der Nürtinger Rudolf-Steiner-Schule vom Frühling in all seinen Facetten. Das Programm beschreibt einen Bogen von den ersten kargen Vorfrühlingslandschaften hin zum Wonnemonat Mai.

Springtime

Neben Vertonungen von Felix Mendelssohn, Robert Franz und Camille Saint-Saëns, die ein romantisch-verklärtes Frühlingsbild zeichnen, Provenienz, die von der kargen Landschaft vor Eintritt  des Frühlings berichten, so das kurze Stück „Våren“ von Sven-Erik Bäck und das anspruchsvolle Werk „Plainscapes“ des lettischen Komponisten Peteris Vasks, bei dem der  Chor von Violine und Cello begleitet wird. Weiter bekommt die politische Bedeutung des Frühlings, in den Strophen des Liedes „‘S ist wieder März geworden“ von August  Freiherr von Seckendorff Gewicht. Das Werk „Earth-Call“  der norwegischen Komponistin Karin Höghielm ist ein eindringlicher Appell an die Bewahrung der Schöpfung und fordert auf, den Frieden aktiv zu gestalten und zu leben. Pure Frühlingswonnen werden schließlich in Werken von Janequin, Alfvén und Bornefeld besungen. Zur Musik treten Gedichte von Uhland, Rückert, Hesse, Jandl, Ausländer, Brecht und Kaléko, die ebenso unterschiedliche Frühlingserfahrungen und Gefühlswelten beschreiben.

Rezitation:  Nora Krauter und Philipp Falser

Violine:  Kathrin Scheungraber

Violoncello:   Sophie Scheungraber

Chorleitung und Klavier:  Fabian Wöhrle

Zu den Ausführenden:

Nora Krauter ist gebürtige Stuttgarterin. Seit Oktober 2013 studiert sie Sprechkunst und Sprecherziehung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.
Als Sprechkünstlerin stand sie, unter anderem schon für Amnesty International und für die Staatsgalerie auf der Bühne. Neben ihrer Bühnentätigkeit war Nora Krauter bereits als Sprecherin für SWR2, den Hörverlag und diverse Bildungseinrichtungen, wie beispielsweise die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, tätig.

Philipp Falser war zehn Jahre auf den Theaterbühnen unterwegs und wirkte in Produktionen von Volker Lösch, Neco Celik, Bernhard Epstein, Lutz Gotter sowie Jan Krauter mit. In dieser Zeit spielte er an der Staatsoper Stuttgart, dem Staatsschauspiel Stuttgart der Württembergischen Landesbühne und dem Theaterhaus Stuttgart.
Seit 2012 arbeitet Philipp Falser als Regisseur, Sprecher und Trainer. Aus seinen vielfältigen Regiearbeiten ging der Verein Schauspielensemble KUNSTDRUCK e.V. hervor, dessen Ziel es ist die autodidaktische Kunstszene Esslingens zu beleben. Seit der Gründung konnte der Verein bereits einige tausend Zuschauer, von Berlin bis Tübingen, zu seinen Gästen zählen.
Seit 2010 ist Philipp Falser im Stadtjugendring ehrenamtlich engagiert. Er betreut u.a. das Kinderferienprogramm Karamempel. Für sein soziales Engagement erhielt Falser im Juli 2012 den Sozialpreis und im Dezember 2015 den Ehrenamtspreis der Stadt Esslingen. Nach dem Abitur im Frühjahr 2012 absolvierte Philipp Falser ein Freiwilliges Soziales Jahr im Rettungsdienst des Roten Kreuzes. Im Zuge des FSJ bestritt er die Ausbildung zum Rettungssanitäter.
Seit Herbst 2013 studiert er an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellen de Kunst Stuttgart, Sprechkunst und Sprecherziehung. Als Sprecher arbeitet er u.a. für den SWR, die ARD Hörspieltage, Amnesty International, das Hauptstaatsarchiv Stuttgart sowie das Haus der Heimat.

Kathrin Scheungraber, geboren 1989 in Salzburg, erhielt ihren ersten Geigenunterricht bei ihrem Vater, später bei Michael Ewers und Ulrike Stortz. Vor ihrem Abitur  war sie ein Jahr Jungstudentin bei Prof. Kolja Lessing an der Musikhochschule Stuttgart, wo sie von 2009 bis 2013 ihr Bachelorstudium absolvierte. Nach einem Praktikum bei den Stuttgarter Philharmonikern in der Spielzeit 2013/14 folgte der Masterstudiengang in der Klasse von Prof. Stefan Hempel an der HMT Rostock, den sie im Februar 2016 abschloss.
Sie erspielte sich mehrere Bundespreise beim Wettbewerb „Jugend musiziert“  mit ihrem Streichquartett, dem Lerchenquartett. Mit diesem erhielt sie auch zahlreiche Stipendien, z.B. von der Rudolf-Eberle-Stiftung für hochbegabte junge Streicher und hatte Auftritte in namhaften Konzertreihen, z.B. beim Oberstdorfer Musiksommer und bei der Gesellschaft für Neue Musik Mannheim. 2014 war sie Solistin der Herbsttournee des Landesjugendorchesters Baden-Württemberg. Wichtige Anregungen erhielt sie auf Meisterkursen u.a. bei Prof. Hansheinz Schneeberger, Prof. Ingolf Turban und bei Mitgliedern des Cuarteto Casals, des Alban Berg-, Mandelring-, Artemis- und des Melos-Quartetts. Kathrin Scheungraber spielt die Violine op. 166 von Martin Schleske aus dem Jahr 2012.

Sophie Scheungraber, geboren am 1992 in Filderstadt, absolvierte noch während der Schulzeit ein Jungstudium an der Musikhochschule Stuttgart bei Prof. Peter Buck. Intensive Tätigkeit mit ihrem Streichquartett, dem Lerchenquartett. Auftritte bei zahlreichen Festivals und Konzertreihen wie Oberstdorfer Musiksommer, Casalmaggiore Musikfestival, Schloss Solitude Stuttgart und Mannheimer Gesellschaft für Neue Musik. Mehrfache Bundespreisträgerin „Jugend Musiziert“, Stipendien der Rudolph-Eberle-Stiftung, der Rotary Clubs Oberstdorf, Stuttgart und Bad Mergentheim, des Lions Club Stuttgart und der LBBW.
Cellostudium an der Musikhochschule Stuttgart bei Prof. Claudio Bohórquez. Oktober 2015 Bachelorabschluss.

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Eintritt 14 € (erm. 8 €)

Karten sind ab 18.30 Uhr an der Abendkasse erhältlich.

Zusatzkonzert Samstag 23.04.2016 um 19 Uhr

Haus Rohrer Höhe – Begegnungsstätte Hans-Rehn-Stift, Musberger Str. 52, 70565 Stuttgart