Der Nürtinger Chor mit dem etwas anderen Repertoire

Beitrags-Archiv für die Kategory 'Über den Chor'

Steter Tropfen - Ein Wasser-Konzert

Dienstag, 31. Januar 2012 23:49

Der Tübinger Ernst-Bloch-Chor gastiert am Sonntag,26. Februar, um 19 Uhr mit seinem neuen Programm in der Nürtinger Kreuzkirche.

STETER TROPFEN
Ein Wasser-Konzert

Der Tübinger Ernst-Bloch-Chor, vor nahezu 25 Jahren von der jetzigen Chorleiterin, Musikerin und Komponistin Anne Tübinger gegründet, hat ein neues Programm erarbeitet: Das Konzert STETER TROPFEN verbindet Texte, Lieder und Kompositionen, die sich in verschiedensten Facetten mit dem Thema „Wasser“ beschäftigen.
- Wasser als ein grundlegendes Lebenselixier von Mensch, Tier und Pflanze
- Wasser als kostbarer, unfair verteilter, umkämpfter, schändlich behandelter Rohstoff
- Wasser als zerstörerische Naturgewalt
- Wasser als heilende Kraft
- Wasser als unheimliches, magisches, mythologisches Element
- Wasser als Anlass für Gewalt und Krieg …
… ungeheuer vielfältig sind die Ansätze, die dieses Thema inhaltlich bietet und schier unendlich die musikalischen Werke, die sich damit befassen. Wie in allen, stets thematisch orientierten Programmen des Chors, der sich den kritischen, politisch-philosophischen Gedanken des Namensgebers Bloch verwandt fühlt, wird in vielen verschiedenen Sprache gesungen: Spanische, französische
und englische Lieder wurden ebenso ausgewählt wie deutsche Texte oder traditionelle afrikanische Gesänge. Und so hört man unter anderem Brechts „Ballade vom Wasserrad“, den französischen
Klassiker „la mer“, den amerikanischen Traditional „Shenandoah“ und natürlich auch spezielle Neukompositionen für das Konzert wie „Schwarzes Gold“ (Anne Tübinger), „Kanaltango“ (Susanne Hinkelbein) oder „Hochwasser“ (Bernhard Mohl).
mit: Sabine Joß (Klavier) und Sabine Haas (Querflöte)

Thema: Über den Chor | Kommentare (0)

“Cantemos” Waldorfschule Nürtingen Jan. 2012

Dienstag, 31. Januar 2012 22:56

Thema: Über den Chor | Kommentare (0)

Ein Abend der musikalischen Kostbarkeiten

Dienstag, 31. Januar 2012 10:05

NÜRTINGEN. Wenn „Asturias“ von Isaac Albéniz auf dem Marimbaphon erklingt und der südamerikanische Waldgeist Iurupari mit den Menschen seinen Schabernack treibt, dann haben sich die Sängerinnen und Sänger vom Nürtinger „coro per resistencia“ wieder etwas Besonderes ausgedacht – und diesmal gemeinsam mit ihrem Interims-Chorleiter Mihály Zeke auf die Bühne gebracht. Am Sonntagabend konnte sich ein vielköpfiges Publikum im Großen Saal der Rudolf-Steiner-Schule davon überzeugen, dass auch brasilianische Chormusik für den kleinen, aber feinen Nürtinger Chor kein unüberwindbares Hindernis darstellte. Unterstützt wurde er dabei von dem brasilianischen Tenor Ewandro Stenzowski und der Marimbaphonistin Vanessa Porter.

Als Einstieg in das etwas mehr als einstündige Konzert intonierte der Chor das „Ave Maria“ des großen brasilianischen Komponisten Heitor Villa-Lobos in lateinischer Sprache. Nach der grandiosen Marimbaphon-Interpretation von Isaac Albeniz’ „Asturias“ – virtuos und inspiriert gespielt von Vanessa Porter – sang der Chor, ebenfalls in Latein, den „Psalm 150“ in einer Vertonung von Ernani Aguiar.

Die herausragende positive Überraschung des Abends jedoch begegnete dem Publikum in Person und Stimme des 28-jährigen aus Brasilien stammenden Tenors Ewandro Stenzowski, der zurzeit in Stuttgart studiert. Der glänzte zunächst mit vier Liedern von Heitor Villa-Lobos, souverän am Flügel begleitet von Mihály Zeke. Zwei ebenfalls von Villa-Lobos vertonte Legenden um den im Amazonasgebiet hausenden Dämon Iurupari – interpretiert vom „coro per resistencia“ – erzählten anschließend davon, wie dieser teuflische Tunichtgut nichts anderes im Sinn hat, als die Menschen in die Irre zu führen.

Mit einer beeindruckenden Stimmkraft und Musikalität wusste Stenzowski seine Zuhörer auch in dem später folgenden Zyklus aus fünf Liedern brasilianischer Komponisten des späten 19. und des 20. Jahrhunderts davon zu überzeugen, dass diesen Sänger möglicherweise eine große Zukunft auf den Bühnen der Welt erwartet. Auch Vanessa Porter stellte noch einmal – kongenial unterstützt von Mihály Zeke am Flügel – ihr Können am Marimbaphon mit dem ersten Satz eines von Ney Rosauro für dieses Instrument verfassten Concerto unter Beweis.

Der Rest des Abends blieb dann dem „coro“ vorbehalten, dessen Mitglieder zusammen mit ihrem für den etatmäßigen Chorleiter Felix Schuler-Meybier, der für ein halbes Jahr ein Auslandssemester in der Schweiz absolviert, eingesprungenen Dirigenten Mihály Zeke den Beweis erbrachten, dass sich die intensive Übungsarbeit der letzten Monate ohne jeglichen Abstrich gelohnt hat. „Sechs Stücke für sechs gemischte Stimmen“ bildeten die von Heitor Villa-Lobos in Töne gesetzte Sprüchesammlung „Bendita Sabedoria“, die der Chor mit viel Gefühl intonierte. Abschließend erklang der Candomblé-Gesang „Ofulú Lorêrê“ von Oswaldo Lacerda, den der Chor nach einem nicht enden wollenden Applaus als Zugabe noch einmal zelebrierte.

Erfolge ermutigen, und so manche Zusammenarbeit mit Solisten oder Ergänzungsmusikern schafft Freundschaften oder zumindest Beziehungen, deren Früchte vielleicht noch nicht gar zu schnell abgeerntet sein werden. Man darf also hoffen, dass einem Wiedersehen und -hören mit Vanessa Porter, Ewandro Stenzowski oder Mihály Zeke nichts entgegensteht. Mit ziemlicher Sicherheit jedoch wird im Lauf des Jahres von den Sängerinnen und Sängern des „coro per resistencia“ Neues und Spannendes zu erwarten sein. Laut einer im Programmheft abgedruckten Information wird das nächste Projekt des Chores baltische und skandinavische Gesangsliteratur zusammenführen. Man darf also gespannt sein.

Heinz Böhler, Nürtinger Zeitung v. 31.1.2012

Thema: Über den Chor | Kommentare (0)

Cantemos

Sonntag, 18. Dezember 2011 14:15

Cantemos

Cantemos 

Brasilianische Chormusik

Das größte Land Südamerikas vereint verschiedenste musikalische Strömungen: die einheimisch amerindische, die christlich geprägte iberische, die afroamerikanische, die moderne westeuropäische, so wie Einflüsse des Latin-Jazz. In Folge entwickelte sich von der Barockzeit bis heute eine eigenwillige Tonsprache, deren wichtigster Vertreter Heitor Villa-Lobos ist. Von ihm prä sentiert der coro das an die Renaissance angelehnte „Ave Maria“, die harmonisch komplexen Vertonungen der alttestamen­tarischen „Bendita Sabedoria“ sowie Stücke, die ihre Wurzeln in der amerindischen Folklore haben.

Der rituelle Rhythmus aus der afroamerikanischen Tradition kommt u.a. in Lacerdas „Ofulú Lorêrê“ zur Geltung. Schlagzeug und alte christliche Texte treffen sich im Gloria der „Missa Afro-Brasileira“ von Fonseca.

Eine weitere Facette der reichen Vokaltradition Brasiliens zeigt der brasilianische Tenor Ewandro Stenzowski mit einigen Kunstliedern aus seiner Heimat. Ein Marimbaphon Solo, von der jungen Vanessa Porter gespielt, rundet das Programm ab.

Ausführende:

coro per resistencia Nürtingen

Ewandro Stenzowski, Tenor

Vanessa Porter, Schlagzeug

Mihály Zeke, Klavier und Leitung´

 

Samstag, 28. Januar 2012,
19:00 Uhr,
Christuskirche Stuttgart,
Gänsheidestraße 29

 

Sonntag, 29. Januar 2012,
18:00 Uhr,
Rudolf-Steiner-Schule, Nürtingen
Am Lerchenberg 60-66,

Karten zu 14,00 €, ermäßigt 8,00 €

Vorverkauf:

Nürtinger Weltladen, Kirchstraße 25, Telefon 07022/2117213, über Chormitgliedern und E-Mail: karten@coro-nuertingen.de

 

Thema: Über den Chor | Kommentare (0)

900 Euro für Resistencia

Mittwoch, 15. Dezember 2010 18:44

coro Frickenhausen

Der „coro per resistencia“ mit seinem neuen Chorleiter Felix Schuler-Meybier. Foto: ali

Adventlicher Wohlklang füllte die Kirche

Der „coro per resistencia“ ersang 900 Euro für den guten Zweck

FRICKENHAUSEN (red). Mit einem sehr stimmungsvollen Adventskonzert gab der Nürtinger Chor „coro per resistencia“ am Sonntagabend in der gut besuchten Klaus-von-Flüe-Kirche sein erstes Konzert unter der Leitung seines neuen Dirigenten Felix Schuler-Meybier. Das Benefizkonzert zugunsten des argentinischen Sozialzentrums Resistencia erbrachte einen Reinerlös von 900 Euro, der nun von der Katholischen Kirchengemeinde nach Argentinien weitergeleitet wird.

Der Nürtinger Traditionschor, der vor 29 Jahren im Rahmen eines Benefizkonzerts für das Sozialzentrum Resistencia gegründet wurde – und deshalb dessen Namen trägt –, präsentierte sich unter neuer Leitung mitgliederstark und in sehr guter Form. Felix Schuler-Meybier hatte für das Konzert eine wohlklingende Mischung aus bekannten deutschen Weihnachtsliedern in anspruchsvollen Chorbearbeitungen und weniger oft zu hörenden weihnachtlichen Weisen aus England zusammengestellt, die der „coro per resistencia“ volltönend und fein nuanciert zu Gehör brachte. Einer der Höhepunkte des Konzerts war zweifellos das getragene, geheimnisvolle „O magnum mysterium“ von Francis Poulenc.

Klanglich abgerundet wurde das Konzert durch die sehr begabte junge Organistin Mirjam Scheider, die auf der Orgel der Flüe-Kirche Johann Christian Heinrich Rincks „Flöten-Concert für Orgel“ op. 55 spielte. Ein spieltechnisch anspruchsvolles Werk, das mit seiner fröhlichen Grundstimmung zu Herzen ging.

Pfarrer Anselm Jopp ging kurz auf die Geschichte des Sozialzentrums Resistencia und das wohltätige Wirken der Katholischen Kirchengemeinde ein. Im Sommer dieses Jahres waren einige Gemeindeglieder zusammen mit Pfarrer Jopp dort, um sich über den Fortgang der Projekte zu informieren. Jopp verlieh auch seiner Freude darüber Ausdruck, dass es den „coro per resistencia“, auf dessen Entstehungsgeschichte er ebenfalls einging, nun wieder gebe. Tatsächlich hat der Chor, der sich im Sommer von seinem langjährigen Chorleiter Peter Lauterbach getrennt hatte, zu keiner Zeit aufgehört zu existieren. Was er am Sonntag unter neuer Leitung eindrucksvoll unter Beweis stellte.

 Nürtinger Zeitung  v. 14.12.2010

Thema: Über den Chor | Kommentare (0)

Felix Schuler-Meybier neuer Chorleiter

Freitag, 1. Oktober 2010 20:03

Der coro per resitencia hat einen neuen Chorleiter: Nach einem mehrwöchigem Auswahlverfahren haben sich die Aktiven des Chors entschieden, künftig mit dem jungen Stuttgarter MusikerFelix Schuler-Meybier zusammenzuarbeiten.

Felix Schuler-Meybier wurde 1981 - im Gründungsjahr des coro per resistencia -  in Karlsruhe geboren. Er wurde durch seine Eltern (beide Musiker) schon früh an die Musik herangeführt und erhielt bereits in jungen Jahren Klavier- und Violinunterricht. In der Christophorus-Kantorei Altensteig konnte er am dortigen Musikgymnasium eine fundierte musikalische Ausbildung genießen, u.a. bestehend  aus Einzelstimmbildung und bis zu 40 Konzerten pro Jahr. Er studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart Schulmusik mit Schwerpunkt Gesang (Prof. Bernhard Jäger-Böhm) und Dirigieren (Prof. Dieter Kurz). Außerhalb der Hochschule erhielt er wichtige Impulse von Veronika Stoertzenbach. Seit dem Wintersemester 2008/2009 studiert er Dirigieren bei Prof. Per Borin, aktuell im Studiengang Master Orchesterdirigieren mit Schwerpunkt Musiktheater. Im Rahmen seiner Ausbildung dirigierte er u.a. das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim, die Württembergische Philharmonie Reutlingen, die Stuttgarter Philharmoniker, das Stuttgarter Kammerorchester, das Kurpfälzische Kammerorchester Mannheim sowie die Filarmonica „Oltenia“ Craiova (Rumänien). Er ist als freischaffender Sänger sowie als Chor- und Orchesterdirigent tätig und ist u.a. Mitglied des Kammerchor Stuttgart, der Gächinger Kantorei sowie Assistent von Veronika Stoertzenbach beim Akademischen Chor und dem Orchester der Universität Stuttgart.

Die Proben des coro per resistencia finden montags von 20-22 Uhr in der Fachhochschule für Kunsttherapie, Sigmaringer Straße 15, statt.

Neue Sängerinnen und Sänger sind herzlich eingeladen.

 

 

 

Thema: Über den Chor | Kommentare (0)

Stimmungsbilder

Sonntag, 20. Juni 2010 13:36

Sonntag, 18. Juli,

19 Uhr

Heller-Kantine Nürtingen,

Gebr.-Heller-Straße

Ein vierteiliger Zyklus von slowakischen Tanzliedern, deren eigentümliche Rhythmik und Melodik durchdie raffinierte Satzkunst des Ungarn Béla Bartók (1881-1945)unterstrichen werden, bildet den Auftakt des Konzerts in der Nürtinger Heller-Kantine. Es folgen vier “Sephardische Volkslieder” in der Berabeitung durch den aus Nazi-Deutschland nach übergesiedelten Komponisten Paul Ben-Haim (1897-1984). Die in Altspanisch geschriebenen Liebeslieder spiegeln die jüdische Kultur in der Nachbarschaft von Mauren und Christen auf der iberischen Halbinsel.

Ein Klavierstück von Edvard Grieg(1843-1907)  führt in die Klangwet Skanidnaviens ein, die der Chor dann mit Stimmungsbildern aus der Feder des schwedischen KomponistenWilhelm Peterson-Berger (1867-1942) aufleben lässt. Sie sind ein Beispiel für die besondere Chortradition in den nordischen Ländern.

Den Abschluss bildet der berühmte Zyklus der Sechs Klänge aus Mähren” von Antonín Dvirák (1841-1904). Feinfühlig, mit slawischem Temperament, werden hier die Stimmungen zwischen Liebensbangen und -hoffen ausgelotet.

Mit diesem Konzert nimmt der coro zugleich Abschied von seinem langjährigen Chorleiter Peter Lauterbach. Peter Lauterbach hat den Chor vor 30 Jahren mit begründet und seither geleitet. Nach den Sommerferien geht’s dann mit neuem Chorleiter weiter.

Eintritt: 10/8 Euro

Vorverkauf: Chormitglieder, karten@coro-nuertingen.de

Thema: Über den Chor | Kommentare (0)

Lieder von kleinen Leuten und großer Politik

Dienstag, 13. November 2007 11:22

NÜRTINGER ZEITUNG v. 13.11.07

Der coro per resistencia präsentierte am Samstag in der S-bar eine Chor-Revue mit Texten von Kurt Tucholsky und Mascha Kaléko

NÜRTINGEN. Ein neues Konzept in einer neuen Umgebung das diesjährige Konzert des coro per resistencia überzeugte am Samstag vollständig. Mit Texten von Mascha Kaléko und Kurt Tucholsky und Liedern aus dem Alltag der kleinen Leute voller politischer Anspielungen begleiteten Dirigent Peter Lauterbach, die Solistin Hilde Scheerer, Sprecher Klaus Lerm sowie die Sängerinnen und Sänger des 1981 gegründeten Nürtinger Chores mit einem Trio ausgewählter Musiker ein viergängiges Menü, das dem zahlreichen Publikum in der S-bar Heller gereicht wurde.

Oder war es umgekehrt? Nicht so wichtig, da am Samstagabend einfach alles passte: Der coro hatte sich offenbar nicht gescheut, in jeder Hinsicht einen Schritt in Richtung Publikum auf sich zu nehmen, Peter Lauterbach war als Arrangeur einmal den umgekehrten Weg gegangen, hatte diesmal nicht hoch anspruchsvolle Gesangsliteratur auf die Bedürfnisse eines doch relativ kleinen Klangkörpers reduzieren müssen, sondern hatte für Solisten konzipierte Kompositionen von Friedrich Hollaender, Hanns Eisler und anderen mehrstimmig für den Chor arrangiert. Mit Wolfgang Daiss, Georg Dietl und Steffen Hollenweger hatte man Musiker engagiert, die aufs Feinste mit dem Chor, der Solistin und dem Sprecher harmonierten. Und schließlich sorgte das Team des Küchenchefs der S-bar liebevoll und reichlich für das leibliche Wohl der Zuhörer.
Eingeklemmt lag der Samstagabend zwischen dem schicksalsträchtigen 9. November und dem gänseprächtigen Martinstag. Es gab Hühnchen, Himbeerschaum und roten Wein. Dazu von Tucholsky jenen Text über die SPD der Weimarer Jahre, in dem er die Sozialdemokraten mit Radieschen vergleicht: außen rot und innen weiß. Ob da wirklich alle Sänger mit Inbrunst einstimmen konnten? Gut, dass sich das in einem Chor wie dem coro per resistencia leicht ausgleichen lässt, weil auch einigen eben jener Text wie guter Cognac über die Stimmbänder geflossen sein mag. Die Dummheit des Publikums und der Opportunismus seiner Kollegen regten Tucholskys Feder zum Fluge und die Stimmen der Sänger zum Vollklang an, klangs doch schnedderedeng schon wie Gleichschaltung: und sie immer mitn mit, mitn Schmidt, mitn mit. Nach Paris fahren müssen, um Mensch sein zu dürfen und nicht nur Zivilist, Gedanken an die Mutter und das Schicksal anderer Frauen Tucholsky hatte nicht nur die große Politik im Sinn, wenn es galt, den Alltag der Menschen, der auch seiner war, zu durchleuchten. Er tat das in Versen und tats als Peter Panter, Ignaz Wrobel, Theobald Tiger oder Kaspar Hauser, tats unbewusst zum Glück für Laienchöre und deren Publikum, die nicht zuletzt dadurch einen Abend wie den des vergangenen Samstag goutieren konnten.
Mascha Kaléko sprach mit einer Stimme, die oft wie die Tucholskys klang und doch eine eigene Farbe in die Welt brachte: In ihr klangen Selbstironie, Spottlust, angeflogen von einem Hauch Traurigkeit und Resignation an. Eine gnadenlos genaue Beobachterin von Situationen und Gefühlen war die deutsch-jüdische Schriftstellerin, die ihre durch die Machtübernahme der Nazis immer weniger haltbar gewordene Existenz in Berlin in lyrische Berichte abfasste, die der Diskrepanz von Traum und Wirklichkeit während des Erwachsenwerdens und danach eine Stimme gab und wohl wegen der ihr eigenen Illusionslosigkeit sich von niemandem einfangen oder benutzen ließ. Für die Lieder der 1975 in Zürich gestorbenen Dichterin hatte Peter Lauterbach auf Vertonungen und Chorarrangements von Uli Führe zurückgegriffen, was sich im nächsten Programm-Block schon wieder ändern sollte.
Denn Kurt Tucholsky war, wie man hörte, auch ein Meister des damals im Kabarett viel gespielten Couplets, wobei er den Emanzipationsbewegungen seiner Zeit viel Raum gab. Obs nun seine Beine oder ihre waren oder die Litfaßsäule, die ihm in die Quere kam, Tucholsky formte die Strophen und Musiker wie Hollaender, Bienert und Nelson schrieben die Musik dazu natürlich nicht unbedingt für einen gemischten Chor. Die Aufgabe machte sich Lauterbach zu eigen und arrangierte, bis er, wie im Stoßseufzer einer Dame in bewegter Nacht, dem Chorsatz alle dem Stück sonst eigene Erotik geopfert hatte, oder, anderes Extrem, mit seinem Chor einen vielstimmigen Tamerlan hinlegen konnte, der in puncto Inbrunst und Überzeugungskraft nichts zu wünschen übrig ließ. Donnernder Applaus forderte eine Zugabe nach der anderen. Auch Hilde Scheerer und Klaus Lerm mussten gemeinsam mit den Musikern noch einmal auf die Bühne, um den Beifall eines begeisterten Publikums entgegenzunehmen. Heinz Böhler
Hilde Scheerer sang, Klaus Lerm las Texte von Tucholsky.

Thema: Über den Chor | Kommentare (0)