Rameau: „Les Indes galantes“

Barocke Sinnlichkeit und Lebensfreude: Nürtinger Chor führt Oper auf

Der Nürtinger „coro per resistencia“ präsentiert am Wochenende zusammen mit dem Brahms-Chor Stuttgart unter Leitung von Fabian Wöhrle eine konzertante Kurzfassung der Barockoper „Les Indes galantes“ von Jean-Philippe Rameau.

Mit der konzertanten Aufführung der Barockoper „Les Indes galantes“ von Jean-Philippe Rameau (1683 bis 1764) hat sich der Nürtinger „coro per resistencia“ ein ganz besonderes farbenfrohes Projekt vorgenommen. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Brahms-Chor und dem „Ensemble il Capriccio“ wird das Werk am Wochenende Samstag, 27. Juni, in Stuttgart und am Sonntag, 28. Juni, in Nürtingen aufgeführt. Die Leitung hat Fabian Wöhrle.

Der französische Barockkomponist Rameau lotet mit seiner affektgeladenen Musik sämtliche Seelenzustände mit großer Emotionalität aus, viele Nummern sind schwungvoll-tänzerisch. Mit der Anbetung der Sonne, einem Blumenfest und dem abschließenden Tanz der Eingeborenen um die große Friedenspfeife entsteht ein buntes Panoptikum barocker Sinnlichkeit und Lebensfreude – ein wahrhaft barockes Sommerfest!

Im Gespräch mit der Nürtinger Zeitung gibt Chorleiter Fabian Wöhrle Einblick in das Chorprojekt seiner beiden Chöre und erläutert die Besonderheiten des Werks.

Warum haben Sie das Werk „Les Indes galantes“ ausgewählt?

Wir haben im „coro per resistencia“ die spezielle Repertoireschiene mit Theodorakis-Werken und Programmen mit politischem Hintergrund, aber der Chor hat auch die Tradition, barocke Stücke und szenisches Musiktheater aufzuführen. Die Ballettoper „Les Indes galantes“ ist eine Rarität, ich habe nirgends gelesen, dass sie in unserer Region in den letzten Jahrzehnten aufgeführt wurde. Das SWR-Sinfonieorchester wird die nächste Saison mit einer Suite aus „Les Indes galantes“ eröffnen. Die Chöre sind sehr motiviert, die herrliche Musik aufzuführen. Das Werk entführt nach einem Prolog mit Liebesgeschichten in vier ferne Länder, so in die Türkei, nach Persien, Peru und zu der indigenen Bevölkerung Nordamerikas.

Hat die Musik demzufolge auch folkloristisches Gepräge, wie es der „coro“ gewöhnt ist?

Nein, in Rameaus Musik ist dies nicht enthalten. Auch im zentralen „Tanz der Wilden“ hört man keine indigene Musik heraus.

Wie reagieren die Choristen der beiden Chöre auf dieses Programm? Wie laufen die Proben?

Sie waren gleich voll dabei, das Singen auf Französisch lieben sie, ebenso die Tonsprache Rameaus mit ihren eingängigen Melodien. Wir haben Anfang Mai mit beiden Chören im Kloster Heiligkreuztal kompakt geprobt, es läuft gut.

Warum haben Sie das „Ensemble il Capriccio“ engagiert?

Wir haben schon öfter mit ihnen musiziert. Ich kenne die Konzertmeisterin Dietlind Mayer aus Oberboihingen vom gemeinsamen Studium an der Musikhochschule Stuttgart und schätze ihr Violinspiel und gleichermaßen das Können ihres Ensembles mit Original-Instrumenten sehr. Eine Besonderheit ist im Satz „Musette“ der Einsatz eines barocken Dudelsacks, wie er auch bei Händel eingesetzt wird. Unsere Flötistin Suse Godel hat sich ein solches Instrument gekauft.

Ihr Solistenquartett weist wieder klingende Namen auf …

Fanie Antonelou ist eine auch international erfahrene Lied- und Oratoriensängerin, die momentan an der Stuttgarter Oper in „Station paradiso“ engagiert ist. Auch Kai Preußker (Bariton) war dort mehrere Jahre fest engagiert. Sophie Harr singt unter anderem im Chor der Gaechinger Cantorey und ist der Barockmusik sehr zugetan, mit Daniel Schreiber konnte ein sehr erfahrener Tenor gewonnen werden, der auch die bei Rameau geforderte, teilweise sehr hohe Tenorlage hervorragend beherrscht.

Was ist Ihnen wichtig bei den Aufführungen?

Dass es vergnüglich wird. Die Freude soll rüberkommen. Die Zuhörer sollen teilhaben an unserer Begeisterung für die herrliche Musik von Jean-Philippe Rameau.

„Les Indes galantes“ von Jean-Philippe Rameau wird am Samstag, 27. Juni, um 19 Uhr in der Leonhardskirche Stuttgart zu sehen sein. Die zweite Aufführung findet am Sonntag, 28. Juni, 20 Uhr, in der Stadtkirche St. Laurentius Nürtingen statt. Karten gibt es im Stadtbüro der Nürtinger Zeitung, Telefon (07022) 9464150, stadtbuero@ntz.de oder beim coro selbst unter karten@coro-nuertingen.de.

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